Langlütjen

Die beiden Festungsinseln Langlütjen I und Langlütjen II sollten gemeinsam mit den auf der östlichen Seite geplanten Festungen Brinkamahof I und II dem militärischen Schutz der Wesermündung Mitte des 18. Jahrhunderts dienen. Hintergründe waren die deutsch-dänischen Kriege, die die Forderung nach Schutz seitens des Norddeutschen Bundes aufwarf.

1869 bis 1870 wurde im Wattgebiet nördlich von Blexen die Düne Langlütjensand von der preußischen Marine mit Erdwällen umgeben und zu einem befestigten Küstenfort (Langlütjen I) ausgebaut. Wegen der Gezeitenverhältnisse konnten die 300 Arbeiter nur im Sommer und bei Ebbe den Bau vorantreiben. Ein 1,6 Kilometer langer Damm verband das Fort mit dem Festland. 1870/71 erhielt das Fort neun 21-cm-Geschütze in Panzerkasematten.

Nördlich des ersten Forts entstand 1872 bis 1876 Langlütjen II, eine künstliche, mit Sand aufgeschüttete Insel, auf der ein Fort aus Backsteinen errichtet wurde. Dieses wurde 1880 in Dienst gestellt. Um 1914 waren dort mehrere 28-cm-Geschütze aufgestellt. Ohne feste Verbindung zum Land, konnte die Befestigung nur mit dem Boot, zu Fuß höchstens bei Ebbe erreicht werden. 100 Mann Besatzung konnten hier bis zu vier Monate autark ausharren.

Beide Festungsanlagen, wie die gegenüberliegenden Forts Brinkamahof I und II, waren bis zum Ende des Ersten Weltkrieges militärisch genutzt, aber nie in Kampfhandlungen verwickelt. Nach 1918 erfolgte auf Weisung der Entente die Demontage der militärischen Installationen. Langlütjen II erlangte 1933 bis 1934 traurige Berühmtheit als „Schutzhaftlager" (provisorisches KZ), das von der SA betrieben wurde. Rund 100 Häftlinge waren dort untergebracht.

Im Zweiten Weltkrieg diente Langlütjen I als Flakstellung und wurde nach Kriegsende gesprengt, später mit Sand überspült. 1983 wurde auf dem Gelände ein Radarturm errichtet. Langlütjen II ist aber noch heute erhalten und dienste 2006 als Kulisse für das Theaterprojekt „Langlütjen II – Inszenierung einer Marinefestung“ der Gruppe „Das letzte Kleinod“.

Die Insel Langlütjen I gehört seit ihrer Veräußerung durch die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten im Jahr 2006 einer Naturfreundin aus Oldenburg.

Langlütjen II wurde ebenfalls 2006 an den Bremer Kaufmann Jens-Torsten Bausch aus Bremen verkauft, der aus der Festungsinsel ein Ziel für sanften Tourismus machen möchte. Uferbefestigungen und Buhnen wurden seitdem erneuert oder installiert, Schutt und Müll abgefahren. Bausch plant den Bau einer zweigeschossigen Hotelanlage, sofern von allen Behörden hierzu grünes Licht gegeben wird. Diese ist auch nötig, um wie von Bausch geplant, das Fort zu restaurieren. Geht es nach ihm, sollen in einigen Jahren Tagesgäste wie Kurzurlauber durch die historischen Gewölbe laufen können, um sich über die bewegte Geschichte der Festungsinsel und ihrem Nachbar-Eiland Langlütjen I zu informieren. Zudem sind ein eigenes Kraftwerk mit Wärmekopplung und der Bau eines eigenen Brunnens für die Wasserversorgung geplant.

Beide Inseln dürfen derzeit nicht betreten werden.